Techno, „in concert“

IMG_5068 copyTechno findet im dunklen und vernebelten Kellerclub statt. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahren durch gigantische Festivals verändert. Auch in den Köpfen der Nicht-Clubgänger und bei Menschen mit anderem Musikgeschmack. Elektronische Musik ist weiter verbreitet und breiter gefächert als je zuvor. Keine einfache Zeit für Puristen.

Vom 12-jährigen Teenager mit seiner Mutter, Gruppen lärmender 20-jähriger aus der Provinz, über behemdete und Fan-Shirts tragende Normalos, dem kritischen Nerd bis hin zum verstohlen um sich blickenden Hipster. Sie alle vereinte eines: Paul Kalkbrenner, „in concert“ im Zürcher Hallenstadion.

Techno im Konzert-Kontext? Klar. Elektronische Musik fand schon seit Beginn immer wieder den Weg auf die grosse Bühne. In Bands, Supergroups und zuletzt durch Produzenten und DJ’s. Wie überall gibt es Unterschiede in der Qualität. Der weltweite EDM-Hype hat den Begriff „in concert“ die letzten Jahre aber arg strapaziert.

Gigantische Festivals verkaufen – von Arme-schwenkenden und Play-Button-drückenden Selbstvermarktern präsentierte – auf elektronischer Musik basierende, billig produzierte Konservenmusik als Konzert. Dabei gab und gibt es auch positive Beispiele von Konzerten von Produzenten elektronischer Musik. Man denke nur mal an Carl Craig, Francesco Tristano & Moritz Von Oswald, Jeff Mills & Montpelier Philharmonic Orchestra oder auch „The Radio 1 Ibiza Prom“.

Paul Kalkbrenner liegt irgendwo dazwischen. Sein musikalischer Output ist eher bescheiden. Verteilt auf zwei Stunden „Konzert“ würde ein wenig mehr Abwechslung gut tun. Puristen werden nun augenrollend einwerfen: „Selber Schuld! Solch eine kommerzielle Veranstaltung besucht man auch nicht“.

Stimmt. Wenn man aber bedenkt wie unterschiedlich die Besucher waren, leistet Paul Kalkbrenner seinen Beitrag um elektronische Musik auch Nicht-Clubgängern näher zu bringen. Und das sicher qualitativ höher als all die EDM-Clowns.

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Einfach mal Danke sagen..

drinkGute Vorsätze feiern in den Neujahrstagen stets ein Revival. Mit dem neuen Jahr soll alles besser werden. Schlechte Angewohnheiten gehören abgeschafft, neue Ziele werden gesetzt und Pläne geschmiedet. Auch für Clubgängerinnen- und Clubgänger gibt es sicher gute Vorsätze für das neue Jahr. Nicht weniger Feiern oder ein eingeschränkter Genussmittelkonsum. Ein bisschen mehr Freundlichkeit und Dankbarkeit reicht schon.

Kurz nach drei Uhr morgens in einem vollen Club in Zürich. Die Meute feiert, der Alkohol fliesst und der Runner macht seine Runden. Beladen mit einem Harass für leere Flaschen und einem Behälter für die Zigarettenstummel sorgt er für den reibungslosen Ablauf einer jeden Clubnacht. Mit ausdruckslosem Gesicht machte er seine Arbeit. Als er fertig war, schaute er mich an. Ich lächelte und sagte vielen Dank. Und da huschte ein Lächeln über sein Gesicht.

Sagt mal Danke! Danke, all den Menschen die uns das Leben erleichtern. Nicht nur im Club. Das wäre doch mal ein Neujahrsvorsatz. In diesem Sinne: Danke und alles Gute für das neue Jahr.

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Dufte duften wie..

toni1Was haben Justin Bieber , Halle Berry, Gwen Stefani, Céline Dion, Britney Spears , Usher , Dita von Teese oder David Beckham gemeinsam? Sie haben viel Geld, sind (mehr oder weniger) erfolgreich und tausende Menschen riechen wie sie. Parfümeuren und geschäftstüchtigen PR- und Marketing-Soldaten sei Dank. Neu in den Reigen reit sich nun ein Schweizer ein. Nicht Roger Federer, auch nicht Ursula Andress oder Irina Beller. Nein, es ist Antoine Konrad.

DJ Antoine, also. Der vom Boulevard als Star-DJ betitelte Sissacher bringt seinen eigenen Duft auf den Markt. Eigentlich sind es gleich mehrere Düfte. „Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die Weihnachtszeit steht vor der Tür. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen, Dich und Deine Begleitperson in einem privaten Rahmen begrüssen zu dürfen“, heisst es in der persönlichen Einladung, welche diese Woche verschickt wurde.

Duften wie DJ Antoine. Tolle Idee für ein Weihnachtsgeschenk an die oder den Ex oder für die Schwiegermutter- oder den Schwiegervater. In wenigen Wochen ist ja auch schon das Fest der Liebe, der Besinnlichkeit und des Schenkens.
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„Hinter einem Promiparfum (…) steckt immer ein großer Kosmetikkonzern, der auf Basis eines Lizenzvertrags den Namen des Stars verwenden darf. Es werden Zielgruppen- und Marktanalysen gemacht und das Konkurrenzumfeld untersucht. Denn Popstars und Parfums gibt’s wie Sand am Meer – kommen beide zusammen, ergibt sich meist ein maximal überflüssiges Produkt, das allein durch strategisches Marketing zu einem finanziellen Erfolg werden kann“, heisst es in einem sarkastischen Artikel auf ZEIT ONLINE.

Was treibt DJ Antoine also dazu, eigene Düfte zu verkaufen? Werfen Gassenhauer wie „Welcome to St. Tropez“ oder „Ma chérie“ nicht mehr genug ab? Buchen Grossraumdiskotheken keine Schweizer Werksarbeit mehr? Plant Antoine Konrad gar in Rente zu gehen? Fragen über Fragen. Die Antwort gibt es sicher bald im Boulevard nachzulesen.

Bis dahin erfreut sich die Nase an den AK1 Raumdüften und Duftkerzen. DJ Antoine schlägt der Pop-Industrie ein Schnippchen. Parfüms von Promis gibt es ja schon wie Sand am Meer. Exklusive Raumdüfte und Duftkerzen offenbar noch nicht. Die oder der Ex und die Schwiegereltern werden sich freuen.

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Manifest für eine langsamere Gangart

nightWir leben in einer sich immer schneller drehenden Welt. Zeit um zur Ruhe zu kommen wird immer rarer. Andauernd sind wir auf der Suche nach dem nächsten Kick. Stetiges Wachstum und Weiterentwicklung, wird uns schon als Kind eingebläut, ist unabdingbar. Wachstum gilt für viele als Quelle des Glücks. Entschleunigung ist angesagt.

Gut gibt es den britischen Komponisten Max Richter. Mit „Sleep“ veröffentlichte Richter das wohl längste, je aufgenommene einteilige klassische Musikstück. Geschrieben für Streicher, Klavier, Elektronik und Gesangsstimme dauert „Sleep“ acht Stunden. „Es ist mein persönliches Wiegenlied für eine hektische Welt, ein Manifest für eine langsamere Gangart“, sagt Richter dazu.

Die Uraufführung wird in Berlin stattfinden – von Mitternacht bis 8 Uhr morgens. Und statt Sitze gibt es für die Zuhörer Betten. Veröffentlicht wurde „Sleep“ bei der Deutschen Grammophon. Es gibt eine einstündige Version namens „from Sleep“ und die komplette achtstündige Version.

Schlaft gut.

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Strings of Life – wenn Klassiker anders tönen

IMG_3203Vor mehr als einem Vierteljahrhundert elektronische Musik entdeckt. Bis heute tauchen House und Techno in der aktuellen Playlist auf. In all den Jahren spielten unterschiedliche Sub-Genres eine Rolle. Schön, dass alle verschiedenen Genres nun in ganz neuem Kontext vereint wurden. BBC Radio 1 sei Dank.

Der britische DJ Pete Tong brachte das Heritage Orchestra auf die Bühne der ehrwürdigen Royal Albert Hall in London. Jules Buckley verpackte über 20 Klassiker neu und schaute dabei über den berühmten Tellerrand.

„Frevel“, könnten Techno-Puristen nun rufen. Kollaborationen zwischen klassischer und elektronischer Musik gibt es auch schon länger. Was an „Ibiza Prom“ anders ist: es verbindet gekonnt Underground- Klassiker und grosse Hits und nebenbei Hochkultur mit Subkultur. Ein Blick über den, schon oben strapazierten Begriff, „Tellerrand“ würde der Stadt Zürich derzeit auch gut tun.

Der Streit zwischen Vertretern der Club- und Subkultur und Vertretern einer, sagen wir mal, „beruhigten“ Langstrasse ist verhärtet. Ein runder Tisch soll Lösungen bringen. Gleichzeitig machen Bagger Orte an denen beide Kulturen bereits miteinander in Berührung kamen platt. Aber das ist Politik und hier geht’s um Musik.

Trotzdem. Eine oper für alle mit elektronischer Musik auf dem Sechseläutenplatz könnte die Fronten aufweichen. Musik als Brückenbauer, quasi. Nicht nur zwischen Clubmusik und Klassik. Techno und House würde vielleicht nicht streng zwinglianisch als „Bumm-Bumm-Musik“ wahrgenommen.

Das Tonhalle-Orchester Zürich versucht so schon lange junge Menschen ins Haus zu locken. Tage der offenen Clubtüren zeigen Subkultur im besten Licht. Wie wäre es denn jetzt mit einem gemeinsamen Projekt? Ein „Zurich Prom“ auf dem Sechsenläutenplatz. Ein bisschen Glanz käme auch der Stadtrat noch ab. Eine Win-Win-Win-Situation, also.

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Wenn der Koenig ruft..

krone..kommen sie alle. Der Hofstaat wie auch das Fussvolk. Wenn der Koenig seinen 50. Geburtstag und sein 35-jähriges Thronjubiläum feiert, sowieso. Und so begab sich eine illustre Schar in den feierlich geschmückten Hof seiner ehemaligen Feier-Residenz um dem Monarchen zu huldigen.

Es ist nicht übertrieben zu schreiben, dass Dani Koenig das Zürcher Nachtleben die letzten Jahrzehnte geprägt hat. Seine Donnerstagnacht-Residenz im Kaufleuten Club ist legendär. Die Schlange vor dem Eingang, das Hoffen auf Einlass zum feierlichen Ritual sowie das Leiden am Arbeitsplatz am nächsten Tag auch. Zahlreiche Geschichten, sagenumwobene Gerüchte und Gedächtnislücken entspringen dieser Zeit.

Und obwohl der Koenig sein Zepter vor einiger Zeit an die jüngere Generation weitergegeben hat, kamen die Gratulanten in Scharen zur Audienz. Freunde, Weggefährten, Bekannte und Kreti und Pleti der Zürcher Schickeria machten sich auf zum Geburtstags-Tanz. Und so glich der Abend fast einem Familien- oder Klassentreffen. Und es war wie früher. Nur die Haare der Anwesenden waren etwas grauer als damals.
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Der Hofstaat stand also in „wichtige“ Gespräche vertieft herum während das Fussvolk den Abend tanzend zelebrierte. Eben wie früher. Dass sich der grösste Teil des Hofstaates bereits wieder verzogen hatte, als der Koenig das musikalische Zepter übernahm, stimmt dennoch ein wenig traurig. Ob sie an andere Feierlichkeiten weiterzogen oder altersbedingt die Matratzen aufsuchten?

Nichtsdestotrotz war es ein wundervoller Abend mit Menschen die man einige Zeit nicht mehr gesehen hat. Wenn der Koenig ruft, kommen sie eben doch alle. Und so freuen wir uns schon jetzt auf das 40. Thronjubiläum. Danke Dani Koenig für deinen Beitrag zur Zürcher Partyszene.

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Seid gut zu Vögeln..

gut-zu-vogelnVerfolgt man diese Tage die Facebook Wall zeigt sich eins: die Street Parade 2014 steht bevor. Auch die Zürcher Medienschaffenden erinnern sich ihrer Raver-Wurzeln und kreieren Seitengeschichten zur Parade. So zum Einstimmen. Von Tipps für Parade-Anfänger, über seichte Promi-DJ-Geschichten bis hin zu interessanten Musik-Facts. Und auch Geschichten mit Jöö-Effekt.

Die Street-Parade wird zur Geburtshelferin, titelte kürzlich der Tages-Anzeiger. Wahnsinn. Erwartungen an eine Geschichte über ein mögliches „Street Parade-Baby“ kommen hoch. Um Babys ging es in der Geschichte tatsächlich. Aber nicht so wie alle denken.

„Das kommende Wochenende wird nicht nur von Hunderten Tanzfreudigen sehnlichst erwartet. Auch in der Voliere Zürich am Mythenquai herrscht grosse Vorfreude. Denn dann sollen die jungen Kronentokos nach 28 Tagen Brutzeit endlich schlüpfen“, heisst es in dem Bericht. Kronen.., was? Kronentokos.
K-R-O-N-E-N-T-O-K-O-S.

Kronentokos sind demnach sehr seltene Vögel. Und sie kommen in der Schweiz nur an einem einzigen Ort vor: in der Vogelvoliere entlang der Parade-Route. Ornithologen zufolge könnten die dicken Bässe der Love Mobiles zur Folge haben, dass das Kronentoko-Weibchen „die Brut abbricht“. Was natürlich niemand will. Zuletzt die „Verursacher“ des Lärms.
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Mittels Flyer werden die Fahrer der Love Mobiles auf die brütende Seltenheit aufmerksam gemacht. Auf einer Strecke von 50 Metern soll die Musik verstummen. Raver im Ausnahmezustand sind garantiert. Die Stille erobert die elektronische Musik. Doch die Vogelliebe geht weiter.

Mit der „Aktion Street Parade for Life“ wollen die Organisatioren Geld für bessere Schallschutzmassnahmen bei der Vogelvoliere sammeln. Im OK hofft man sogar auf ein Schlüpfen der Jung-Tokos während der Street Parade. Dann soll nämlich einer der Jung-Vögel auf den Namen „Stripi“ getauft werden. S-T-R-I-P-I. Oooch, wie herzallerliebst!

Wäre die Geschichte nicht so knuffig, man könnte dahinter beinahe einen PR-Kniff vermuten. Vielleicht klappt es im nächsten Jahr dann ja auch mit einem Love Mobile für Rollstuhlfahrer. Wahrscheinlich sind die dem Verein Street Parade zu wenig selten.

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